Das Team rund um FH-Prof. Lisa-Marie Putz-Egger; vorne links: Alexandra Haller, Lisa-Maria Putz-Egger, Laura Hörandner links hinten: Sophie Wiesinger, Christina Pum.

Bild: FH OÖ

Bestnote für Verlagerungsprojekt

24.06.2026

Beim weltweit größten Forschungs-Förderungsprogramm „HORIZON Europe“ koordiniert die FH Oberösterreich den nachhaltigen Gütertransport auf dem Wasser. Sie erhielt ein Budget von 1,4 Mio. Euro.

Dass die Binnenschifffahrt pro Tonnenkilometer deutlich emissionsärmer als der Lkw sei und damit erhebliches Potenzial für grüne Logistik böte, davon ist die FH Oberösterreich in Steyr überzeugt. Aber damit nicht genug. FH-Professorin Lisa-Maria Putz-Egger vom Logistikum der FH geht der Frage nach, wie sich dieses Potenzial ausschöpfen lässt. „Mit dem Forschungsprojekt HERFRIED schaffen wir mit einem starken industriebasierten Konsortium ein digital vernetztes, intelligentes und integriertes System für die Binnenschifffahrt. Wir verbinden Unternehmen, Logistikdienstleister, Behörden und Infrastrukturbetreiber, automatisieren den grenzüberschreitenden Informationsaustausch und koordinieren Abläufe in Echtzeit über verschiedene Verkehrsträger hinweg.“ Ziel sei, praxisnahe Lösungen zu entwickeln, Umschläge sowie Kapazitäts- und Routenentscheidungen zu optimieren und die Binnenschifffahrt nahtlos in multimodale Lieferketten einzubinden, um Effizienz, Verlässlichkeit und die Klimabilanz in Europa nachhaltig zu verbessern, führt sie aus.

Voestalpine will mehr Effizienz und Nachhaltigkeit durch digitalisierte Lieferketten

Beim weltweit größten Forschungs-Förderungsprogramm HORIZON Europe der Europäischen Union (EU) stieß das Projekt HERFRIED auf die bestmögliche Resonanz: Der von Lisa-Maria Putz-Egger und ihrem Team eingereichte Antrag auf Forschungsförderung wurde mit der selten erreichten Höchstpunktezahl von 15,0 bewertet. Für das HERFRIED Konsortium mit 17 Partner*innen aus Österreich, Belgien, Deutschland, Frankreich, Ungarn, den Niederlanden und Polen bedeutet das ein Forschungsbudget von knapp 8 Millionen Euro, davon entfallen rund 1,4 Millionen Euro auf die FH Oberösterreich. Mit an Bord sind etp-ALICE, imec, University of Antwerp, Pro Danube International, viadonau, Transport Trade Services, voestalpine, Chasqee, RSOE, Transporeon, 4shipping, De Vlaamse Waterweg, AI Cargofoundation, Panteia, Frequentis und Inuits. Das Konsortiumsmitglied voestalpine nutzt den gesamten Rhein-Main-Donau Korridor für ihre Transporte und ist „heavy-user“ dieses bedeutenden europäischen Wasserweges. Für die voestalpine ist die Digitalisierung der gesamten Lieferkette ein zentraler Hebel, um Effizienz, Transparenz und Nachhaltigkeit dauerhaft zu steigern. Durch das Projekt HERFRIED können, so der Konzern weiter, innovative Lösungen entlang der Wertschöpfungskette entwickelt und getestet werden – von der Rohstoffbeschaffung bis zur Auslieferung. Die enge Zusammenarbeit mit den Projektpartnern soll wertvolle Impulse für datengetriebene Entscheidungsprozesse geben und so für resilientere Supply Chains sorgen.

Digitalisierter Verkehrsträger auf dem Wasser

Was das Projekt konkret an Neuem bringt? Durch Digitalisierung werden die Prozesse rund um die Binnenschifffahrt inklusive der relevanten Unternehmen und anderer Verkehrsträger miteinander vernetzt. „Wir schaffen die vollständige digitale Integration der Binnenschifffahrt in multimodale Logistikketten – von smarten Schiffen und Infrastrukturen über standardisierte Datenräume bis zu Verwaltung und Behörden“, zeigt sich Putz-Egger glücklich über den großen Rückenwind, den HERFRIED aus Europa erhält. Für Projektmanagerin Sophie Wiesinger ist HERFRIED eine einmalige Chance: „Wir denken Transporte nicht mehr getrennt nach Verkehrsträgern, sondern vernetzt über die gesamte Lieferkette hinweg – genau das macht die Digitalisierung der Binnenschifffahrt so wirkungsvoll.“

„Für ein exportorientiertes Industriebundesland wie Oberösterreich ist eine verlässliche und nachhaltige Logistik ein zentraler Wettbewerbsfaktor. Mit HERFRIED unterstützen wir die Forschung zur Digitalisierung der Binnenwasserstraße durch ein innovatives Vorhaben, weil es die Nachhaltigkeit dieses Verkehrsträgers verstärkt ins Blickfeld rückt“, betont FH-Prof. Dr. Michael Rabl, Hochschulpräsident der FH Oberösterreich, über die erfolgreiche Zuerkennung dieses Forschungsprojektes.

Umsetzung in sieben Piloten mit Europas Industrie

Der Forschungsansatz wird in sieben industrienahen Piloten entlang der zentralen europäischen Korridore Rhein-Main-Donau, Seine-Schelde und Donau-ARA Häfen getestet. Der Fokus liegt auf Stück- und Schüttgütern ebenso wie auf multimodalen Gütern wie Containertransporten. HERFRIED baut auf bestehenden Plattformen auf und verbindet die relevanten Daten nahtlos mit übergeordneten Logistiksystemen über das „HERFRIED Smart Framework“ und den „HERFRIED Process Space“.

Da auch öffentliche Stellen am Projekt beteiligt sind, ist gewährleistet, dass einschlägige Gesetze, Normen und Standards berücksichtigt und weiterentwickelt werden. Zugleich richtet sich HERFRIED ausdrücklich auch an die Politik, die mit geeigneten Rahmenbedingungen dafür sorgen soll, dass die Dinge nicht in, sondern auf den Fluss kommen.

Die oberösterreichische Standortagentur Business Upper Austria unterstützte mit einem Proposal Check des Projektantrags. „Wir haben die inhaltlichen, formalen sowie strategischen Aspekte geprüft und Feedback eingebracht, das von der FH Oberösterreich in den Antrag eingearbeitet wurde“, sagt Förderexpertin Sonja Sesser.

Aktuell befindet sich HERFRIED im Vertragsverhandlungsprozess und startet am 01. Oktober 2026 für 3 Jahre.

Warum HERFRIED?

Damit das Projekt HERFRIED tatsächlich das Licht der Welt erblickt hat, spielte auch eine Person dieses Namens eine zentrale Rolle: Als Geschäftsführer einer der größten Donaureedereien (TTS) und Urheber der visionären Idee trägt Herfried Leitner maßgeblich zum Projekt bei.

Über die FH OÖ

Die FH OÖ ist eigenen Angaben zufolge die forschungsstärkste Fachhochschule Österreichs. An vier Standorten werden unterschiedliche Studienschwerpunkte angeboten: Informatik, Kommunikation und Medien am Campus Hagenberg, Medizintechnik und Angewandte Sozialwissenschaften am Campus Linz, Wirtschaft und Management am Campus Steyr sowie Technik und Angewandte Naturwissenschaften am Campus Wels. Mit 75 Bachelor- und Masterstudiengängen, von denen 32 berufsbegleitend studiert werden können, offeriert die FH OÖ ein breitgefächertes Angebot an praxisorientierten und innovativen Studiengängen.

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