Warum ist der Schienengüterverkehr so nachhaltig? Der wichtigste Grund ist physikalisch: Der Rollwiderstand von Stahlrädern auf Stahlschienen ist sehr gering. Ein Güterzug benötigt dadurch ca. fünfmal weniger Energie als ein Lkw auf der Straße. Hinzu kommt: Ein Zug bündelt die Mengen von rund 52 Lkw und nutzt so Antriebsenergie optimal. Wo die Infrastruktur elektrifiziert ist, wird diese Effizienz bei der DB schon heute mit einem Anteil regenerativer Energien von ca. 70% am Bahnstrommix in klimafreundliche Traktion übersetzt - mit einem klaren Hochlauf auf 100% Anteil regenerativer Energien bis 2038.
Lkw-Fahrten ersetzen
Das wirkt sich unmittelbar auf die Klimabilanz aus. Pro Tonnenkilometer verursacht der Schienengüterverkehr schon heute rund 80 % weniger Treibhausgasemissionen als der Straßengüterverkehr. Grundsätzlich gilt, je höher der Anteil elektrischer Traktion und je sauberer der Bahnstrommix, desto geringer sind die Emissionen. Aktuell ersetzt DB Cargo rund 20 Mio. Lkw-Fahrten jährlich und spart dadurch 6 Mio. Tonnen Treibhausgase. Gerade im sogenannten Scope-3-Management – also bei den Emissionen, die in der Lieferkette entstehen – bietet die Schiene enormes Potenzial. Wer Transporte auf die Schiene verlagert, kann messbar Treibhausgase reduzieren und seine Nachhaltigkeitsziele erreichen. Die Effekte lassen sich in gängige Bilanzierungslogiken integrieren und wirken unmittelbar auf die Nachhaltigkeitsziele.
Klug kombinieren
Wichtig dabei ist die kluge Kombination der Verkehrsträger. Wo kein Gleisanschluss vorhanden ist, verknüpft der Kombinierte Verkehr die Stärken beider Welten: Lkw für die flexible erste und letzte Meile, Züge für die energieeffiziente Langstrecke. Moderne Terminals, verlässliche Zeitfenster und digitale Sendungsdaten sorgen dafür, dass Übergänge reibungslos funktionieren. So entsteht ein Netzwerk, das planbar, transparent und robust ist – und gleichzeitig die Emissionsintensität pro Sendung deutlich senkt.
Auch beim Thema Geschwindigkeit und Verlässlichkeit hat die Schiene Lösungen. Ganzzüge für große Volumen, Einzelwagen für differenzierte Ströme, intermodale Angebote für standardisierte Ladeeinheiten: Für nahezu jede Lieferkette gibt es passende Konzepte. Digitale Tools für Laufzeitprognosen, Sendungsverfolgung und Kapazitätsplanung helfen, Produktions- und Distributionsprozesse eng zu koppeln. So wird Nachhaltigkeit zum Produktivitäts- und Wettbewerbsfaktor.
Besonders klimaschonend geht es in vielen Fällen schon heute. Elektrische Züge können mit Bahnstrom aus 100% erneuerbaren Energien CO2e-neutral fahren, wobei die Restemissionen kompensiert werden. Wo (noch) keine Oberleitung verfügbar ist, kommen zunehmend hybride oder mit alternativen Kraftstoffen wie HVO betriebene Fahrzeuge zum Einsatz. Ergänzt um energieeffiziente Fahrstrategien der Lokführer, Rekuperation zur Nutzung der Bremsenergie und smarte Disposition sinkt der Energiebedarf weiter.
DB Cargo geht diesen Weg konsequent. Das Unternehmen verfolgt das Ziel, bis 2040 klimaneutral zu sein, und rechnet damit, als konsequenter Umweltvorreiter seine Emissionen bereits in 2026 gegenüber 2019 zu halbieren. Dazu tragen unter anderem der Einsatz erneuerbarer Energien, alternative Antriebe sowie digitale Technologien zur Kapazitäts- und Energieoptimierung bei. Entscheidend ist dabei der praktische Nutzen für Kunden: europaweite Verbindungen, planbare Laufzeiten und transparente Emissionsdaten.
Was heißt das für Nachhaltigkeitsverantwortliche konkret? Drei Punkte sind zentral: Erstens, Modal Shift strategisch im Einkauf verankern – mit Emissionskriterien und klaren Zielpfaden. Zweitens, Datenflüsse harmonisieren – Mengen und Prognosen so teilen, dass Kapazitäten optimal geplant werden können. Drittens, gemeinsam investieren – in neue Angebote auf der Schiene, Transportbehälter und Prozesse, die multimodal gedacht sind. So werden Effizienzgewinne gehoben und Scope‑3‑Reduktionen dauerhaft verankert.
Die Transformation der Logistik ist eine Gemeinschaftsaufgabe. Die Politik schafft aktuell mit umfangreichen Investitionen in die Schieneninfrastruktur die Rahmenbedingungen, Unternehmen setzen in der Gestaltung ihrer Lieferketten die Hebel in Bewegung. Die Schiene verbindet diese Ebenen: Sie ist heute verfügbar, technisch ausgereift und in großem Maßstab wirksam. Wer seine Lieferketten resilient und klimafreundlich aufstellen will, kommt an ihr nicht vorbei – nachhaltige Logistik braucht die Schiene.