Luftaufnahme der Wasserstoffanlage auf dem Betriebsgelände der Firmengruppe DU in Ebersbach.

Bild: GHT

CASE: Kein Kilometer zu viel

18.02.2026

So reduziert regionales Logistikmanagement den Karbon-Abdruck in der Wasserstoffproduktion.

Davon träumt die Welt: Aus Abfall klimafreundliche Energie gewinnen. Im schwäbischen Ebersbach, nahe Göppingen und westlich von Stuttgart, haben clevere Ingenieure getüftelt und ein solches Verfahren in der Praxis auf einem Entsorgungshof umgesetzt.

Molekülverbindungen trennen

Mit Hilfe eines Reaktors kann die dort installierte Demonstrationsanlage aus biogenen Abfällen wie Holzstaub ein Synthesegas herstellen. Es besteht aus Kohlendioxid, Kohlenmonoxid, Wasser und Wasserstoff. Noch wird dieses Gemisch genutzt, um die Anlage anzutreiben. Genauer gesagt sind es 25 Prozent, die so für den Anlagenbetrieb recycelt werden. Künftig wird das Technologieunternehmen Green Hydrogen Technology (GHT) unter der Leitung von Geschäftsführer Robert Nave die beiden Molekülverbindungen trennen. Das dabei entstehende CO₂ und H₂ wird entweder direkt vor Ort verbraucht oder in komprimierter bzw. flüssiger Form per Fracht zur Weiterverwendung transportiert.

„So schließen wir einen Wertstoffkreislauf und schaffen eine neue Wertschöpfungskette“, sagt GHT-CEO Nave, dessen Firma das neuartige Verfahren patentiert hat. Im ersten Schritt wird das Ausgangsmaterial in einem Flugreaktor bei 1600 Grad Celsius vergast und übrige Asche herausgefiltert. Am Ende dieses Schritts entsteht das erwähnte Synthesegas.

Große Bandbreite möglich

Neu ist, dass neben Holzstaub und anderen organischen Stoffen mit einer möglichst hohen Dichte nun auch Kunststoffe wie Plastikabfälle aufgespalten werden können. „Wir nehmen fast alles, was einen hohen Wasserstoffanteil hat“, verdeutlicht Nave scherzhaft. Derzeit liegt der Fokus vor allem darauf, den Vergasungsprozess zu optimieren, verschiedenste Stoffströme zu verarbeiten und im Dauerbetrieb zu etablieren. So wurden jüngst die Kunststoffe Polypropylen und Polyethylen als Ausgangsstoffe eingesetzt. Auch diese fossilen Kohlenwasserstoffe ließen sich aufspalten und damit in regenerative Energie sowie Kohlendioxid umwandeln.

Gesichert ist: In der Ebersbacher Anlage können jährlich aus 1000 Tonnen Ausgangsmaterial rund 100 Tonnen Wasserstoff hergestellt werden. Das Synthesegas hat einen Wasserstoffanteil von bis zu 40 Prozent. Der Rest ist Wasser und Asche, die als Biodünger verwendet werden kann. „Mit diesem Verfahren haben wir eine Alternative zum thermischen Verwerten“, verdeutlicht Forst-Assessor Christoph Zimmermann. Auf dem Betriebsgelände der Firmengruppe DU: willkommen in der Umwelt in Ebersbach steht die GHT-Anlage. Seine Firma übernimmt den Anlagenbetrieb, die Materialversorgung sowie die Logistik.

Radius unter 50 Kilometer

Dieser ist bewusst für das regionale Geschäft ausgelegt. Wird Holzstaub eingesetzt, besorgt Zimmermann diesen aus der holzverarbeitenden Industrie in einem Radius von 100 Kilometern. „Läuft die Anlage im Dauerbetrieb und sind die Zuführ- und Absatzwege geklärt, schrumpft der Radius auf die Hälfte oder sogar noch kleiner“, so Zimmermann.

Aktuell ist das Interesse an der Green Hydrogen Technology groß. Mittelständische Entsorger fragen an, um ihren Abfall zu Wasserstoff und CO₂ umzuwandeln. Gründe sind etwa Revisionen örtlicher Zementwerke, die in dieser Zeit keinen Müll verbrennen können. „Oder sie suchen für ihre Kunden neue, klimaneutrale Stoffströme“, verdeutlicht Nave und betont, dass er nicht in funktionierende Recycling-Kreisläufe eingreifen wolle. Vielmehr gehe es darum, eine Alternative zur Verbrennung entwickelt zu haben.

Diese soll regional rentabel sein, so Zimmermann. Denn außer den Transportkosten, die ohnehin entstehen, fallen für den Anlagenbetrieb kaum weitere Kosten an. Auch das Ausgangsmaterial ist derzeit kostenlos zu haben. Oder die abgebenden Betriebe müssen für die fachgerechte Entsorgung sogar bezahlen.

Mahlwerke verkürzen Transportwege

Aufwendig kann allerdings die Aufbereitung des Ausgangsmaterials sein. „Es muss für die Demonstrationsanlage noch zerkleinert werden“, so Zimmermann. Zu Projektbeginn wurden noch Staubkörner in einer Größe von bis zu 0,3 mm vergast. „Inzwischen sind wir bei Kantenlängen von bis zu knapp 0,5 cm“, so Nave. Die Zielgröße für die Anlage in Ebersbach liegt bei einem Zentimeter. Dies ist jedoch der Anlagengröße geschuldet. Bei entsprechend größeren Reaktoren wären auch größere Körnungen möglich. Die Zerkleinerung übernehmen aktuell noch Mühlen. Bis 2026 sollen in Ebersbach passende Mahlwerke installiert sein. So dass die Transportwege kürzer werden.

Das gesamte Konzept der GHT-Anlage folgt dieser Idee der kurzen Wege. Dies soll die Technologie für den lokalen Einsatz prädestinieren. „Nach der Pilotphase wollen wir die Anlage mit wasserstoffreichen Wertstoffen aus dem Landkreis füttern”, so Zimmermann. Die Obergrenze liegt dabei bei 1.200 Tonnen Ausgangsmaterial. Der erzeugte Wasserstoff soll der klimaneutralen Logistik in Zusammenarbeit mit dem Wasserstoff-Lkw Vermieter hylane (DEVK-Gruppe) zugutekommen. Das aufgespaltene Kohlendioxid soll an Mineralbrunnen und Brauereien in der Region geliefert werden. Die setzen das CO₂ Lebensmitteln wie sprudelndem Mineralwasser oder Bier zusetzen.

Über GHT

Green Hydrogen Technology (GHT) hat eine patentierte Technologie entwickelt, um die dezentrale Wasserstoffproduktion zu revolutionieren und die traditionelle Müllverbrennung zu disruptieren. Aus nicht-recyclebaren Abfällen wird klimaneutraler Wasserstoff erzeugt und Abfall somit ein neuer Wert als Energiequelle gegeben.

Über DU: willkommen in der Umwelt

DU entsorgt seit mehr als 50 Jahren Gewerbeabfall. Zu Firmengruppe gehören eine Recyclingfirma für PET-Flaschen sowie eine Firma für die Logistik von Alt-Papier und -Kartonagen. Außerdem ist die Gruppe seit mehr als zehn Jahren Pionier auf dem Gebiet der Pyrolyse: Dabei werden Materialien mit möglichst wenig Sauerstoff auf hohe Temperaturen erhitzt. Dies führt dazu, dass die Materialien nicht verbrennen, sondern sich zersetzen. In Eislingen entsteht durch Pyrolyse jährlich mehr als 300 Tonnen Pflanzenkohle.

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