Ein automatisiertes Emissionsmanagement-System, das täglich auditfähige CO₂-Daten auf Sendungsebene liefert? Dieses Ziel hat SITRA realisiert: Als einer der ersten mittelständischen Logistikdienstleister implementierte das Hamburger Unternehmen in Zusammenarbeit mit der Emissionsmanagement-Plattform shipzero eine Lösung, die aus der Eigeninitiative der Geschäftsführung entstand.
Mit acht Produktsparten – von Komplett- und Teilladungen sowie Express- und Sonderfahrten über GDP-zertifizierten Transport bis zur Messelogistik – sowie Zertifizierungen nach ISO 9001 und 14001 positioniert sich SITRA eigenen Angaben zufolge „als vielseitiger Vorreiter“. Data Analytics ist dabei ein zentraler Erfolgsfaktor. Dazu zählt die Zusammenarbeit mit der TU Harburg, die aus dem Netzwerk eines Gesellschafters entstand.
2019 erkannte das Unternehmen bei der Einführung eines neuen Transport-Management-Systems (TMS), dass Daten auch in der Logistik das neue Gold sind. „Wir wollten als einer der ersten das Thema Emissionsmanagement als Wettbewerbsvorteil nutzen", sagt Marcel Knorky, Prokurist und Mitglied der Geschäftsleitung. Die Initiative für ein professionelles CO₂-Management entstand dabei nicht durch Kundendruck. „Wir sahen die Chance, uns frühzeitig zu positionieren und Emissionen in täglicher Frequenz auf Kunden- und Sendungsebene per API bereitzustellen“, führt Knorky aus.
Die Erkenntnis: Präzisere Emissionsdaten sparen Geld
Die größte Herausforderung war der Zugang zu Primärdaten. „Wir mussten auf Basis von Annahmen arbeiten, unser TMS hat uns da nicht weitergeholfen", erklärt Knorky. Deshalb entschied sich SITRA 2021, ein „Track & Trace“-System aufzubauen, um mehr Daten aggregieren zu können. „Denn je präziser die Emissionsdaten sind, desto niedriger fallen sie oft aus, weil Basisannahmen oft bewusst konservativ getroffen werden. Das kann Kunden Geld sparen“, weiß der Prokurist.
Bereits 2019/2020 war SITRA auf shipzero aufmerksam geworden. Die Logistiker stellten sich damals aber noch die Frage: „Wer braucht denn sowas?" Nach einem ersten Austausch 2021 kam es ein Jahr später auf dem BVL-Kongress (heute BVL Supply Chain CX) zum persönlichen Kennenlernen, gefolgt von einem Vor-Ort-Besuch bei SITRA. Die Entscheidung für shipzero fiel gezielt – alternative Anbieter zog der Logistikdienstleister nicht mehr in Betracht.
Herausforderung: Datenexport aus dem TMS
Die Umsetzung seitens shipzero erwies sich als technisch herausfordernd und ressourcenintensiv. Lange Entwicklungszeiten resultierten aus Schwierigkeiten, Daten in der erforderlichen Qualität aus dem TMS zu exportieren. SITRA lernte das System dabei notgedrungen von Grund auf kennen – nahezu jeder Änderungswunsch wurde zum Bottleneck. Der Prozess war mühselig und dauerte teilweise Monate. Als Pilotkunde von shipzero für täglichen automatisierten Datenaustausch und Datenqualitätsmanagement durchlief SITRA einen langen Prozess mit Höhen und Tiefen – übersprang die Hürden aber gemeinsam mit dem Technologiepartner. Heute extrahiert der Dienstleister vimasoft (auch eine Netzwerk-Empfehlung von SITRA) die Daten aus dem Source-System und stellt sie für shipzero bereit. Die Schnittstelle wird kontinuierlich weiterentwickelt
Tägliche Reports statt monatlicher Auswertungen
Die Ergebnisse können sich sehen lassen: Der Logistikdienstleister erreicht mittlerweile eine sehr hohe Datenqualität, die auch bei der ISO-Zertifizierung geholfen hat. „Die Frequenz auditfähiger Reports hat sich von monatlich auf täglich erhöht, voll automatisiert und innerhalb von 24 Stunden validiert", sagt Knorky. Bis Mai 2026 plant das Team die Integration der Emissionsmetriken in ein eigenes Kundenportal.
Zur Zusammenarbeit mit shipzero ergänzt Knorky: „Wir haben das Gefühl, dass wir Entwicklungspartner sind, nicht nur Kunden", beschreibt er die partnerschaftliche Beziehung. Die Transparenz in der Kommunikation und das gemeinsame Bewältigen von Herausforderungen hätten zu einer gewachsenen Vertrauensbasis geführt.
Webshop mit CO₂-Kalkulation für die nächste Generation
Und der nächste Meilenstein steht kurz bevor: 2026 plant das Unternehmen den Launch eines neuen Kundenportals mit eigenem Webshop für Transportservices. Die Zielgruppe wird jünger und bevorzugt zunehmend digitale Kommunikationswege. Dank der Integration von shipzero können sich Kunden pro Transport die voraussichtlichen Emissionen kalkulieren lassen – bestenfalls mit der Option, CO₂-neutral zu buchen. Perspektivisch verfolgt SITRA den Wunsch, auch Book & Claim sowie alternative Frachtprodukte anzubieten. Dafür braucht es allerdings erst die entsprechende Nachfrage am Markt.
Über SITRA
SITRA wurde 1994 als Logistikdienstleister gegründet und wird heute von zwei Mitarbeiterinnen mit langjährigem logistischem Knowhow aus verschiedensten Positionen geführt. Mit 45 Mitarbeitern an zwei Standorten in Hamburg und Peine bietet das Unternehmen Landverkehr in ganz Europa mit Fokus auf Deutschland als „asset light" Lkw-Spedition. Eine Anekdote, die viel über die Unternehmenskultur aussagt: Die Niederlassung in Peine entstand aus der Loyalität gegenüber einem langjährigen Mitarbeiter, der seiner Freundin nach Niedersachsen folgen wollte. Was als Einliegerwohnung bei einer alten Dame begann, die regelmäßig selbstgebackenen Kuchen vorbeibrachte, hat sich heute zu einer achtköpfigen „SITRA-WG" in einer geräumigen Altbauwohnung ausgewachsen.