Bedeutende Akteure des klimaschonenden Schwerlastverkehrs hat die H2 Green Power & Logistics AG am Evonik-Chemiepark Marl zusammengebracht, um Unternehmen, Kommunen und Projektträger der Wasserstoff-Mobilität über die aktuellen Entwicklungen beim H2-Antrieb und die entsprechende Tankstelleninfrastruktur zu informieren. Über 100 Gäste nahmen an Ort und Stelle nahe dem A 52-Autobahnanschluss Marl-Brassert Einblick in ein mit Evonik, Air Liquide und Get H2 konzipiertes H2-Tankstellenprojekt mit Pipelinezugang und in die Welt neuer H2-Nutzfahrzeuge. Am Evonik-Chemiepark liegt für die öffentlichen Nutzer die vom größten europäischen Filling Center der Air Liquide gespeiste H2-Tankstelle, um Trucks, Busse, Entsorgungsfahrzeuge und eine im Aufbau befindliche PKW-Flotte mit Energie zu versorgen. Evonik selbst will bis zum Jahr 2030 die Hälfte seiner Verkehrsbewegungen ohne fossile Brennstoffe betreiben.
Vorstand Dr. Ludger Hellenthal begrüßte Mitte April ein ausgewiesenes Fachpublikum zum Thema Wasserstoff-betriebener Schwerlastverkehr. Auf dem Vortragsverzeichnis standen Repräsentanten der Unternehmen und Institutionen Air Liquide, Evonik, Deutscher Wasserstoffverband, MAN, Refire Europe, Hyundai Hydrogen Mobility Germany, Iveco und Keyou. Zu den teilnehmenden Partnern und Gästen gehörten auch Get-H2-Kooperation, Nowega, H2 mobility, TEAL oder Vertreter der Fluss- und Binnenschifffahrt. Weitere Interessenten ließen sich per Videocall zuschalten.
Strategische Bedeutung des Wasserstoffs angesichts der Weltlage
Hellenthal betonte die strategische Bedeutung des Wasserstoffes gerade angesichts der geopolitischen Verhältnisse, die eine deutsche und europäische H2-Architektur mit entsprechender Produktion, Pipeline-Transportsystemen, Filling-Centern und Tankstellen mehr denn je erfordere. Das „kleine gallische Wasserstoff-Dorf Marl“ habe Bedeutung für die weitere H2-Entwicklung und werde der Verantwortung angesichts der globalen Situation der Energiemärkte gerecht, eine regionale und im europäischen Kontext autarke H2-Verkehrslogistik gegenüber der bedauerlichen Dieselsituation zu ermöglichen.
Auch unter den anwesenden Fachleuten machte sich H2-Zuversicht bemerkbar. Markus Schewitza von Air Liquide sagte: „Die Kombination aus langfristiger Mautbefreiung, staatlicher Förderung und der Verfügbarkeit von erneuerbarem Wasserstoff und Fahrzeugen schafft jetzt die notwendige Planungssicherheit für den Markthochlauf.“ Und der zugeschaltete Paolo Indiano von Evonik Industries erklärte: „H2 Green Power & Logistics zeigt als Energieversorger und Transportunternehmer eindrucksvoll, wie die Dekarbonisierung des Schwerverkehrs mittels Wasserstoffantrieb in der Praxis durch intelligente Modelle doch möglich ist.“
220 Mio. Euro Förderung für H2-Tankstellen und Nutzfahrzeuge
Bereits Ende 2021 hatte H2 Green Power & Logistics in Marl die Markteinführung von H2-Fahrzeugen mit Evonik präsentiert. Aus dieser Zusammenarbeit und der Entwicklung einer H2-Tankstelle zusammen mit Air Liquide ist das H2-Projekt für den Schwerlastverkehr entstanden. Die Bundesregierung fördert derzeit mit einem Programmvolumen von 220 Mio. Euro H2-Tankstellen und die Investition in H2-Nutzfahrzeuge des Schwerlastverkehrs. „Jetzt ist es Zeit für einen Technologiewechsel, das Feld ist bereitet für Fahrzeuge und Infrastruktur“, so Otto Uhlhorn aus der Unternehmensführung von H2 Green Power & Logistics.
Bei dem Treffen wurde gerade Logistikern und Spediteuren im Fachpublikum deutlich, dass sich die Rahmenbedingungen für grüne Kraftstoffe in Sattelzugmaschinen und Motorwagen derzeit insgesamt günstig entwickeln. Die Kosten- und Leistungsparität mit dem Diesel sei bereits erreicht und werde es sehr bald auch im Vergleich zum Batterieantrieb sein, hieß es. Sämtliche Akteure seien gehalten, die Transformation jetzt entschlossen und gemeinsam voranzutreiben, Spediteure einzubinden und sie durch langfristige Kontrakte und Planungssicherheit beim Umstieg zur Emissionsfreiheit zu unterstützen.
Im September 2025 hatte H2 Green Power & Logistics seinen Kunden eine weitere Neuentwicklung für die Zukunft der Wasserstoff-Mobilität präsentiert. Gemeinsam mit MAN ist exklusiv in Nordrhein-Westfalen und erstmals in Deutschland die MAN hTGX-Wasserstoff-Sattelzugmaschine am MAN-Servicebetrieb in Münster/Senden vorgestellt worden.
H2 Green Power & Logistics ist nach zwei Jahren Vorarbeit seit fünf Jahren mit seiner klimafreundlichen Nutzfahrzeugflotte in ganz Deutschland unterwegs. Mit neuen H2-Sattelzugmaschinen präsentiert das Unternehmen technologieoffen sowohl die H2-Brennstoffzelle als auch den H2-Verbrennermotor verschiedener Hersteller. Darin wird ein wesentlicher Entwicklungsschritt zu mehr Flexibilität im Fernverkehr erkannt. Sattelzugmaschinen können mit verschiedenen Trailern und Spezialaufbauten kombiniert und mit Reichweiten bis zu 800 Kilometern einem erheblich größeren Kundenkreis zugänglich gemacht werden.
H2 Green Power & Logistics betreibt ein komplettes Logistik-Ökosystem aus hauseigenem Grünstrom, der in Magdeburg mit Photovoltaik, Windkraft und Biomasse erzeugt wird, mit einem Fuhrpark von derzeit elf komplett emissionsfreien H2- und E-LKW und den entsprechenden Ladeparks und H2-Tankmöglichkeiten. Daraus entsteht ein Komplettpaket, welches die eigenen Speditions- und Vermietungsgeschäfte mit nachhaltigen LKW-Flotten, Lade- und Tankinfrastruktur sowie digitale Steuerung und CO2-Zertifizierung miteinander verbindet. Die Kooperationen mit renommierten Tankstellenbetreibern wie H2 Mobility und TEAL Mobility (Joint Venture von Air Liquide und TotalEnergies) gewährleisten die nötige Verfügbarkeit von Infrastruktur und umfassender Reichweite. H2 Green Power & Logistics will Anbieter von nachhaltigen und intelligenten Logistiklösungen werden. Bis 2030 ist der Ausbau auf 150 Nutzfahrzeuge und zehn Infrastrukturstandorte geplant.