Anwendungsbeispiel: Dachser und gryn.

Bild: © Dachser

CASE: Emissionen vergleichbar machen

30.01.2026

In der Open Logistics Foundation arbeiten 19 Unternehmen daran, standardisierte Schnittstellen für den CO2-Datenaustausch zu etablieren und praxisnah umzusetzen. Und das entlang der gesamten Lieferkette.

Die Anforderungen an Transparenz und Vergleichbarkeit von Unternehmensdaten zur Nachhaltigkeit (ESG) haben sich in den vergangenen Jahren deutlich erhöht, vor allem im Zuge europäischer Regelwerke wie dem EU-Aktionsplan „Green Deal“ und der Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD). Spediteure, Verlader und Plattformanbieter stehen vor der Aufgabe, unterschiedliche ESG-Daten systemübergreifend, sicher und möglichst automatisiert bereitstellen zu können. Eine besondere Rolle spielen hier auch Daten zu Treibhausgasemissionen (CO2) in Transport und Logistik. Die Open Logistics Foundation hat für den Austausch von CO2-Daten nun eine Lösung geschaffen, die im Zuge der hersteller- und wettbewerbsneutralen Entwicklungsumgebung kollaborativ und auf Open-Source-Basis entstanden ist.

Gemeinsam für transparente CO2-Daten

Mit dem Projekts Emissions Data Exchange der Open Logistics Foundation ist auch eine Working Group ins Leben gerufen worden, um Standards für den Austausch von Emissionsdaten entlang der gesamten Lieferkette weiterzuentwickeln, seine Implementierung zu begleiten und die praktische Anwendbarkeit zu sichern. „In der Stiftung bringen Unternehmen, die im freien Markt Mitbewerber sein können, ihre Perspektiven ein und entwickeln gemeinsam Lösungen“, erklärt Nathalie Böhning, Innovation and Project Manager bei der Open Logistics Foundation. „Nur durch gemeinsame Standards und die Zusammenarbeit aller Beteiligten können wir einen echten Wandel in der Logistik anstoßen.“ Mittlerweile umfasst die Working Group 19 Mitgliedsunternehmen (Stand Oktober 2025), darunter sowohl Logistikdienstleister wie Dachser als auch IT- und Plattformanbieter wie gryn.

Ein Ziel dieser Working Group ist es, den bestehenden offenen Standard konkret im Unternehmensalltag zu erproben. Dafür entwickeln die Mitglieder gemeinsame beispielhafte Anwendungsfälle, die verschiedene Perspektiven und Anforderungen zusammenbringen. Während Dachser als führendes Logistikunternehmen am Markt CO₂-Daten von ausgewählten Transporten digital und standardisiert bereitstellt, integriert gryn diese in einer speziellen Auswertungsplattform, die der IT-Dienstleister am Markt anbietet. Die beiden Unternehmen arbeiteten zusammen, um den Austausch der Informationen effizient, interoperabel und auf Open-Source-Basis zu gestalten. „Die Arbeit in der Working Group erlaubt uns, direktes Feedback aus der Praxis in die Weiterentwicklung der Schnittstelle einfließen zu lassen“, erklärt Gabriel Beslic, Chief Procurement Officer (abgekürzt CPO, zu Deutsch Einkaufsleiter) bei gryn. „Dadurch lernen wir früh, welche Daten wirklich relevant sind und wie sich die Lösung auf weitere Partner übertragen lässt.“ Als technische Grundlage dient das iLEAP-Datenmodell, ein branchenweit anerkanntes Datenformat für den Austausch von Logistikemissionen. Es wurde vom Smart Freight Centre, einer internationalen Non-Profit-Organisation zur Reduktion von Treibhausgasemissionen im Güterverkehr, und der SINE Foundation, einer unabhängigen Organisation mit Expertise in Wirtschaft und Kryptografie, entwickelt. Das Modell orientiert sich an der ISO 14083, der zentralen internationalen Norm, die beschreibt, wie Treibhausgasemissionen im Transportsektor berechnet werden. Durch die Nutzung von iLEAP wird sichergestellt, dass Emissionsdaten zwischen unterschiedlichen Systemen und Unternehmen kompatibel sind und entlang der gesamten Lieferkette effizient ausgetauscht werden können.

iLEAP: Einheitlicher Standard für Emissionsdatenaustausch

Die zentrale Herausforderung beim Austausch von Emissionsdaten liegt nicht in der Berechnung selbst, sondern in der Übertragung zwischen unterschiedlichen IT-Systemen. Jedes Unternehmen hat bisher eigene Formate und Prozesse genutzt, was den Austausch langsam und fehleranfällig machte. Das iLEAP-Datenmodell schafft hier Abhilfe, indem es eine einheitliche Struktur für Emissionsinformationen definiert. In der Praxis bedeutet dies, dass beispielsweise Dachser seine Transportdaten gemäß dem iLEAP-Datenmodell bereitstellt, während IT-Dienstleister wie gryn diese Daten direkt in ihre Plattform einlesen können. Die Schnittstelle funktioniert unabhängig von den zugrunde liegenden Systemen, wodurch technische Barrieren zwischen verschiedenen Unternehmen reduziert werden. Dabei werden nur die notwendigen technischen Informationen übertragen; sensible Geschäftsdaten bleiben geschützt. Erste Tests innerhalb der Working Group zeigen, dass die Verwendung des Standards sowohl Aufwand als auch Fehlerquellen im Datenaustausch reduziert. Gleichzeitig lassen sich Daten von verschiedenen Verkehrsträgern und Standorten zusammenführen, was eine konsistente und vergleichbare Emissionsberichterstattung ermöglicht.

Das Anwendungsbeispiel von Dachser und gryn zeigt, dass die technische Umsetzung eines Standards nur ein Teil der Lösung ist. Entscheidender für den Erfolg ist die organisatorische Integration und die Abstimmung zwischen den Beteiligten. Die Zusammenarbeit in der Working Group ermöglicht, dass Unternehmen Erfahrungen teilen, Feedback direkt in die Weiterentwicklung des Standards einfließen lassen und die Schnittstellen schrittweise optimieren können. Erste Beobachtungen aus der prototypischen Implementierung zeigen, dass die standardisierte Struktur den Datentransfer entlang der Lieferkette erleichtert und die Wahrscheinlichkeit von Übertragungsfehlern reduziert. Gleichzeitig schafft die Nutzung des iLEAP-Modells Transparenz und Vergleichbarkeit über unterschiedliche Systeme und Partner hinweg. „Die Zusammenarbeit zeigt, wie standardisierte Schnittstellen dazu beitragen, CO2-Daten über die gesamte Lieferkette nutzbar zu machen“, betont Ingo Müller, Department Head Prototyping & Testing bei Dachser. „Das ist ein wichtiger Schritt für uns und unsere Kunden, um nachhaltige Entscheidungen entlang unserer Transporte treffen zu können.“ Die Schnittstellen funktionieren technisch und können perspektivisch schrittweise auf weitere Transportstrecken, Kunden und Partner ausgeweitet werden. Das gewählte Anwendungsbeispiel verdeutlicht zudem, dass standardisierte Schnittstellen den Aufwand für individuelle Anpassungen reduzieren.

Je mehr Unternehmen den Open-Source-Standard übernehmen und ihre Systeme anschließen, umso besser lässt sich die Datentransparenz in der Branche insgesamt erhöhen. Die Working Group, innerhalb derer das Anwendungsbeispiel von Dachser und gryn umgesetzt wird, liefert bereits erste praxisnahe Erkenntnisse für die kontinuierliche Weiterentwicklung standardisierter Schnittstellen. Parallel laufen weitere Implementierungstests mit aktiven Partnern wie LKW WALTER und Transporeon. Das zeigt, dass die Initiative branchenweit an Fahrt gewinnt und eine Grundlage schafft, um Emissionen künftig systematisch und vergleichbar entlang der Lieferkette abzubilden.

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