Nicht ganz ohne Stolz sind wir Pioniere, was den Einsatz von Elektro-Lkw angeht. Bereits im Jahr 2019 haben wir die ersten batterieelektrischen Sattelzugmaschinen nach Deutschland geholt. Mittlerweile sind in der gesamten RETHMANN-Unternehmensgruppe mehrere hundert Elektrofahrzeuge verschiedenster Gewichtsklassen und Hersteller im Einsatz.
Förderungen haben uns in diesen ersten Jahren immens geholfen, auch bei dem Aufbau von eigener Ladeinfrastruktur. Und selbst, nachdem das KsNI-Förderprogramm quasi über Nacht abgeschaltet und die Maut für Diesel-Lkw – trotz anderer Ankündigung des damaligen Verkehrsministers – fast verdoppelt wurde, haben wir uns nicht beirren lassen. Wir gehen den alternativen Antriebsweg entschlossen weiter, allerdings vollkommen technologieoffen. Denn uns sind nicht nur die Chancen, sondern vor allem auch die Grenzen der Elektromobilität durchaus bewusst.
Ja, die Reichweiten sind gestiegen, das Angebot an Fahrzeugmodellen wird immer größer und die Preise haben sich reduziert. Aber all das ändert nichts daran, dass – dank antiquierter Richtlinien der Bundesnetzagentur und 866 Verteilnetzbetreibern – der Aufbau von einigermaßen brauchbarer Depot-Ladeinfrastruktur fünf Jahre, die Errichtung eines ernsthaften Lkw-Ladeparks zehn Jahre dauert. Hinzu kommen Kosten von mehreren Millionen Euro. Und es ist ein Märchen, dass irgendwann mal 200.000 oder 300.000 E-Lkw genau nach 4,5 Stunden Fahrzeit an einer freien Schnellladesäule zu bezahlbaren Konditionen in der 45-minütigen Pause die Akkus aufladen können. Und egal, wie oft man dieses Märchen erzählt, es wird einfach nicht wahr.
Nur können wir uns als Flottenbetreiber keine Märchenstunden leisten. Wir müssen praktikable Alternativen aufbauen. Die Umstellung auf alternative Antriebe kann deswegen auch nur schrittweise erfolgen, da viele Unternehmen zunächst ihre bestehenden Dieselflotten weiter nutzen müssen, um wirtschaftlich zu bleiben.
Technologieoffenheit als Strategie
Unsere Strategie in diesem Prozess lautet Technologieoffenheit. Das bedeutet, dass wir nicht nur elektrisch, sondern auch mit Wasserstoff, Biogas, HVO oder Biodiesel fahren. Das hängt eben auch vom jeweiligen Standort ab, denn jeder hat seine eigenen Herausforderungen in Sachen Topografie, Streckenverläufe oder Lade- bzw. Tankinfrastruktur. Wichtig ist, dass die Transformation zur klimaneutralen Logistik vorangetrieben wird und dabei jegliche Antriebsform in Betracht gezogen werden.
Was bedeutet das in der Praxis? Im Münsterland und auch im Rheinland haben wir beispielsweise einen geschlossenen CNG-Kreislauf gebildet. Wir sammeln dort mit unseren mit Bio-CNG angetriebenen Fahrzeugen Grünabfalle aus den Braunen oder Grünen Tonnen ein. Diese Bioabfälle werden dann in den von uns in beiden Regionen betriebenen Biogasanlagen weiterverarbeitet. Hier wird aus Kreislaufwirtschaft eine alternativ angetriebene Kreislauflogistik. Ein ähnliches Beispiel finden wir bei unserer Schwestergesellschaft SARIA, bei der die eigene Tankwagenflotte des Tochterunternehmens RVM Logistik nicht nur den in Sternberg selbst produzierten Biodiesel der SARIA ecoMotion transportiert, sondern selbstverständlich auch vertankt.
Wasserstoff-Lkw im Einsatz
In Freiburg steht Wasserstoff ganz oben auf der Agenda – und zwar sowohl bei der ASF, unserer Öffentlich-Privaten Partnerschaft mit der Stadt Freiburg, als auch bei REMONDIS Region Süd im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald. Insgesamt fünfundzwanzig Wasserstoff-Lkw sind hier im Einsatz und nutzen die eigene Wasserstofftankstelle. Und auch hier wird der Weg des Kreislaufs konsequent weitergegangen. Ein Elektrolyseur, der mit grünem Strom aus den eigenen PV-Anlagen grünen Wasserstoff für unsere Tankstelle produzieren wird, ist in konkreter Planung.
Selbstverständlich fahren wir aber auch schon batterieelektrisch - nicht nur bei REMONDIS, auch bei unseren Schwesterunternehmen Rhenus und Contargo. REMONDIS Sylt organisiert die Entsorgungslogistik rein elektrisch und auch unsere Öffentlich-Private Partnerschaft in Frankfurt am Main, die FES, ist mit E-Lkw unterwegs und sorgt damit im doppelten Sinne für Stadtsauberkeit. In Bremerhaven oder Köln laufen ebenfalls spannende Projekte mit elektrischen Nutzfahrzeugen und das bereits seit mehreren Jahren.
Zeigen, wie es geht
Das alles sind gute Beispiele, die zeigen: Wir gehen voran und es funktioniert. Wenn die Antriebswende im Nutzfahrzeugsegment aber mit hohen Stückzahlen Fahrt aufnehmen soll, müssen wir endlich mit den ideologischen Träumereien aufhören, die auf reinen Lobby-Theorien basieren, und stattdessen technologieneutral die Umstellung vorantreiben. Denn nicht der Verbrenner ist das Problem, sondern das, was wir in den Motor reinkippen und anschließend aus dem Auspuff rauskommt.
Wir Flottenbetreiber wissen sehr genau, wie man Fuhrparks betreibt und brauchen daher auch keine schlauen Ratschläge von Umweltverbänden oder Vorgaben seitens der Politik. Wir brauchen Unterstützung! Denn allen Beteiligten muss klar sein, dass die Transformation noch richtig teuer wird und die Transport- bzw. Entsorgungslogistiker die Kosten dafür ganz sicher nicht allein tragen können. Die Kosten für neue Fahrzeuge und die erforderliche Lade- oder Betankungsinfrastruktur sind für Privatunternehmen langfristig allein nicht stemmbar. Hier müssen Hersteller, Nutzer und die Politik an einem Strang ziehen, um die Transformation zu bewerkstelligen. Die Antriebswende ist schlichtweg ein Gemeinschaftsprojekt!
Letztendlich braucht es ein gemeinsames Verständnis darüber, dass jede alternative Antriebstechnologie besser ist als der klassische Mineralöldiesel!
Zur Person
Sascha Hähnke ist gelernter Speditionskaufmann und war in verschiedenen Unternehmen der Transportlogistikbranche tätig, bevor er 2004 als Geschäftsfeldleiter Road in die Rhenus-Gruppe eintrat. Seit 2018 war er Mitglied der Geschäftsführung der Rhenus Transport GmbH, unter deren Dach sämtliche Massengut-Transportaktivitäten der Rhenus per LKW, Bahn und Schiff organisiert wurden und ist seit Februar 2023 Geschäftsführer der Remondis Sustainable Services GmbH. Hähnke treibt federführend den Bereich „Alternative Antriebe im Straßengüterverkehr“ innerhalb der Rethmann-Unternehmensgruppe, die hier zu den Pionieren in Deutschland zählt, voran und ist darüber hinaus in verschiedenen Gremien engagiert. Unter anderem war er Mitglied der damaligen AG Verkehr und weiterer Task Forces, die das Bundesverkehrsministerium unterstützen und ist weiterhin auch für Nutzfahrzeughersteller in Kunden-/Expertenbeiräten tätig. Sascha Hähnke ist gebürtiger Bielefelder, verheiratet und hat zwei Kinder.